Hondra
Hondra hatte ich mir damals als 17-jähriges Mädchen mühsam erarbeitet. 8 Jahre lang waren wir unzertrennlich. Dann jedoch hatte ich einen schweren Autounfall und war dadurch nicht mehr in der Lage, sie zu versorgen. Schweren Herzens verkaufte ich sie per Schutzvertrag. Seit dem 11.5.03 hatte ich sie jedoch zurück und hoffte, die verlorenen 2,5 Jahre wieder gut machen zu können. Sie wurde mir mich kaputten Zähnen und einer verschleppten Verstopfungskolik zurückgegeben. Nach der Kolik- und danach Zahnbehandlung erholte sie sich aber zusehends. Leider hatte Hondra ein Lungenproblem und konnte daher nur in Robusthaltung stehen, denn sie war Ammoniakallergiker. Ihre letzten Tage habe ich in einem Internetforum so beschrieben:

Mein überalles geliebtes Pferd ist tot. Sie galoppiert nun über immergrüne Wiesen mit dem Wind um die Wette, wie sie es so gern getan hat.

Hier die Geschichte ihrer kurzen schweren Krankheit und meiner Liebe zu ihr:
4.5.08
Ich habe am 3.5.08 erfahren, das meine langjährige Begleiterin, meine Trakehner-Stute Hondra, mich bald verlassen wird. Sie hat akute Herzprobleme und es ist zu befürchten, das dieser Sommer unser letzter gemeinsamer wird...

Hondra ist nicht einfach ein Pferd. Sie ist mehr als das. Ich habe sie mir gekauft, als ich akut suicidgefährdet war. Zuvor habe ich 3 Jahre lang Prospekte und später auch Zeitungen verteilt und fast das gesamte Geld gespart, um mir ein Pferd kaufen zu können. Als ich 1500 DM zusammen hatte, mietete ich eine Box in dem Stall, wo ich mein Pferd unterbringen wollte. Dann begann ich zu suchen und schaute mir mit meiner Mutter als Taxi mehrere Pferde an. Dann hörte ich von einem Jungpferd, welches von einer Tierschützerin wegen Zeitmangels abzugeben war. Wir machten einen Temin aus und ich träumte nachts von einem Stall mit 2 schwarzen und einem fuchsfarbenem Pferd. Am nächsten Tag kamen wir zu dem Stall und ich sah SIE... Hondra war eine der beiden schwarzen, dazwischen stand das blonde Pferd. Mein Herz raste. Ich ging in die Box und sie war sofort sehr anständig zu mir. Man merkte, daß sie gut erzogen war, aber auch Pfeffer hatte. Ich lies sie mir noch kurz vorführen, sah, daß ihre Beine gerade waren und sie sie auch gerade bewegte. Doch selbst wenn sie krummbeinig gewesen wäre, hätte ich sie genommen. Auch die Tierschützerin schien überzeugt, daß ich wohl mit der frechen kleinen Zicke klarkommen könnte und vertraute sie mir an.
Wir hatten einen schwierigen Start und erarbeiteten uns gegenseitigen Respekt. Sie formte mich von der kleinen schüchternen Anfängerin zur Pferdeflüsterin, die später sogar Problem- und Jungpferde ausbilden sollte...
Alles nur, weil ich zu stur war, dieses Pferd wieder aufzugeben. Und was stellte sie nicht alles für Unsinn an! Losreissen, Männchen machen und Leute hinterher ziehen waren noch die kleinsten Probleme. Doch auch oft brachte sie mich zum Lachen und machte mich riesig stolz, wenn sie jemand lobte. Auch sie machte eine gewaltige Entwicklung durch. Von dem schüchternen Jungpferd entwickelte sie sich zu einer selbstbewussten Pferdedame. Da ich keinen Ausbilder fand, mit dessen Ausbildungsmethoden ich einverstanden gewesen wäre, habe ich sie selber eingeritten. Gemeinsam wurden wir ein Klasseteam und ich gab später auch Reitunterricht auf ihr. Was wir konnten, hatten wir uns gegenseitig beigebracht. ;-)
Aber das Wichtigste war, daß immer wenn es mir schlecht ging, sie mich forderte und darauf bestand, daß sie trotzdem anständig versorgt werden musste. Ich konnte mich nicht einfach meinen depressiven Gedanken hingeben, sondern musste immer für sie da sein. Es war sogar so "schlimm", daß sie, wenn ich länger als 3 Tage an Stück nicht bei ihr war, eine Kolik bekam...
Sie war mein "erstes Kind". Durch sie lernte ich Verantwortung zu übernehmen.
Als ich anfing, sie ungerecht zu behandeln und sie zu schlagen, suchte ich mir professionelle Hilfe bei einer Therapeutin und begann, meine Kindheitstraumata (Missbrauch durch Stiefvater und Schlittschuhtrainer und Schläge und nicht geliebt werden durch die Mutter) zu verarbeiten.
Erst nach dieser Therapie begann ich, mich der Männerwelt zu öffnen.
Ich verliebte mich, heiratete und bekam 2 Kinder. Dann hatte ich einen schweren Autounfall und konnte meine mittlerweile 2 Pferde nicht mehr versorgen. Beim Verkauf der anderen Stute wurde ich übers Ohr gehauen. Hondra versuchte ich zuerst noch zu behalten, doch es scheiterte an der Organisation und so verkaufte ich auch sie. Ich setzte einen absolut wasserfesten Schutzvertrag auf. Dennoch versuchten die Käufer später, sie am Vertrag vorbei zu verkaufen. Ich holte sie dann mit anwaltlicher Hilfe zurück und schwor, sie nicht wieder herzugeben!
Reiterlich pausierten wir, denn mittlerweile war das dritte Kind unterwegs...
Dann kam das 4. Kind und jetzt wollte ich eigentlich so langsam wieder anfangen, mit Hondra wieder Spass zu haben. Ich wollte in diesem Sommer wieder mit ihr ausreiten, wieder über die Wege fliegen und mit dem Wind um die Wette laufen...
Doch nun steht sie da, bekommt kaum Luft, hat Schmerzen in den Beinen und möchte einfach nur in den Arm genommen werden...
Ich fahre gleich zu ihr raus zur Weide, versorge die wunden Gelenke und schmuse mit ihr. Evtl reite ich dann noch das Pony, damit es nicht zu dick wird und bis zum Herbst eine anständige Ausbildung hat. Dann werde ich sie wohl verkaufen und mit der Pferdehaltung pausieren.
Ich liebe dieses Pferd so sehr!
Sie hat mir mehr als einmal das Leben gerettet!
Es tut so weh, sie leiden zu sehen...

5.5.08

Endlich konnte ich die Tierheilpraktikerin erreichen und sie kam auch sofort zu meinem Pferdchen und untersuchte sie.
Sie bestätigte meine schlimmsten Befürchtungen: Unbehandelt wird sie in wenigen Tagen tot sein! Sie schrieb eine Batterie von Medikamenten auf und ich bestellte diese sofort in der Apotheke. Die Erstbehandlung heute und die Untersuchung kosteten mal eben 40 Euro.
Seit vorgestern hatte sich Hondras Zustand, speziell der Beine, extrem verschlimmert. Der Eiter läuft aus unzähligen Wunden, die Beine sind dick geschwollen. Weder die THP noch ich selber konnten verstehen, das die Tierärztin keine Antibiotika verordnet hatte!
Hondra hat Staphylokokken...

Diese Behandlung bricht mir finanziell das Genick.
Wer Pferde liebt, kann mich und Hondra unterstützen, indem er bei ebay von Millekeks Sachen kauft. Das bin ich.
Ich verkaufe alles, was ich für Hondra nicht mehr brauche, zusätzlich Sachen, die mir meine Familie zu Rettung meines Pferdes geschenkt hat.

Jeder Euto hilft Hondra!
Bitte helft uns!!!

6.5.08

Heute war ich schon sehr früh bei Hondra. Sie stand schon am Weidetor und wieherte mir entgegen! Es geht ihr heute besser!!!
Sie hat kein Schmerzgesicht mehr gezogen, auch nicht mehr unwillig die Beine wegbewegt.
Die Beine sind leicht abgeschwollen und nicht mehr so extrem verkrustet.
Allerdings musste ich meiner Süssen den Schweif und die Beine waschen, weil sie jetzt auch noch Durchfall hat. Aber das ist ein gutes Zeichen, weil dadurch Giftstoffe aus dem Körper ausgeschwemmt werden. ;-)
Nachdem meine Süsse ihre Medizin bekommen hatte und saubere Beine hatte, liess sie sich noch kurz einsprühen (Mit einer Engelsgeduld und Hingabe, wie ich es bei diesem Pferd noch NIE erlebt habe! Sie hat es früher auf den Tod gehasst, gewaschen oder eingesprüht zu werden. Jetzt sucht sie direkt meine Nähe, um gewaschen und gesprüht zu werden! Erstaunlich dieses Pferd!!!)
So heute Nachmittag nochmal hin und dann werden wir sehen, ob wir die Süsse nochmal auf die Beine stellen können!

Hondra ist am 6.5.08 um 15.30 Uhr auf die Reise zu immergrünen Weiden gegangen...

Die Krankheit hatte das Gehirn angegriffen. Als ich um 14 Uhr an der Weide war, erkannte sie mich kaum. Sie war von einer inneren Unruhe erfasst, daß sie ständig hin und her torkelte. Eitriges Sekret lief ihr aus der Nase, sie hatte Schaum vor dem Maul, sabberte.
Mehrmals streifte sie den Zaun, 2x lief sie frontal gegen einen Baum.
Als sie erneut kurz davor war, sich im Zaun zu verfangen, versuchte ich sie dort wegzuführen. Dabei stürzte sie und blieb liegen. In diesem Moment begann ihre Seele, sich vom Körper zu lösen.
Ich streichelte sie und versicherte ihr, das es ok ist, zu gehen.
Sie sollte nicht kämpfen. Nicht für mich. Es war zu spät. Hätte sie am Wochenende Antibiotika bekommen, hätte es vielleicht noch eine Chance gegeben, doch aus mir unerfindlichen Gründen hat die Tierärztin ihr nichts gegeben.
Heute gab es keine Rettung mehr. Als die Krankheit aufs Gehirn übergriff, waren die letzten Stunden gezählt.
Ich bin froh, daß ich sie bis zum Schluss begleiten konnte und sie nicht alleine sterben musste.
Sie starb, wie sie gelebt hatte.

Selbstbewusst und mit Würde!


Einst hatte ich über sie geschrieben:

Im Winter wuschlig schwarzbraun,
im Sommer kastanienbraun,
doch im Frühjahr und im Herbst
lackschwarz edel anzuschaun...

Hondra, kleiner Wirbelwind

Kommst zu mir und hältst geschwind,
senkst zu mir den edlen Kopf,
schüttelst listig deinen Schopf,
schaust mich an mit samtnen Blick
drehst dich um und blickst zurück.
"Wieviel Freunde, Glück und Leid
hält man noch für uns bereit?"
scheinen deine Aug´ zu fragen,
doch ich kann es dir nicht sagen.
Liebe Hondra, glaub es mir
Ewig stehe ich zu dir!

Nachtrag 20.5.08
Der Verkauf bei ebay war erfolgreich. Ich konnte Hondras Behandlung und weitere Kosten vom Erlös des Reitzubehörs decken. Noch einmal hat sie mir also, auch nach ihrem Tode, geholfen. Ihr Zubehör deckte alle Kosten, ich habe daher keine finanziellen Sorgen mehr, was die Pferde und Weide betrifft.
Das Pony ist ebenfalls zu einer netten Kräuterhexe hier aus dem Forum umgezogen.
Der Lebensabschnitt "Pferde" ist hiermit für mich beendet.


1 Jahr litt ich unsäglich und konnte kein Pferd ansehen, ohne loszuheulen. Dann verebbte der schlimmste Schmerz und ich bekam Sehnsucht nach Pferden.
Zuerst schaute ich, ob ich eine Reitbeteiligung finden würde, dann überlegte ich, Ausbildungpferde anzunehmen, denn ich konnte günstig Stellplätze auf meiner ehemaligen Weide bekommen. Schlussendlich wurde mir ein Pferd angeboten, welches ich dann in Ratenzahlung übernahm.
Muessa und Beisteller Kronendynastie haben jetzt einen festen Platz in meinem Leben und Herzen, dennoch denke ich oft an Hondra und vermisse sie noch immer so sehr...